Jeder Kilometer zählt

Unter dem Leitwort „Radeln statt Resignieren“ wird die Situation Arbeitsloser in den Blickpunkt gerückt

Kathrin Henneberger, Kristina Hamm, Matthias Merbecks und Manfred Körber (v. l.) freuen sich, dass Boris Wolkowski und Felix Heinrichs (auf den Rädern, v. l.) engagiert in die Pedale treten. (c) Bistum Aachen/Garnet Manecke
Kathrin Henneberger, Kristina Hamm, Matthias Merbecks und Manfred Körber (v. l.) freuen sich, dass Boris Wolkowski und Felix Heinrichs (auf den Rädern, v. l.) engagiert in die Pedale treten.
Datum:
Di 15. Sep 2020
Von:
Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 38/2020 | Garnet Manecke

Die Corona-Krise hinterlässt auch bei den Arbeitsloseninitiativen ihre Spuren. Viele Einnahmen brechen weg. Die Soli-Kollekte im Mai fiel kleiner aus, weil die Gottesdienste nur noch in kleinem Rahmen stattfinden können. Mit der Aktion „Radeln statt Resignieren“ wollen die Initiativen dem Trend entgegenwirken.

Arbeitslosigkeit macht einsam: Von dieser Erfahrung ihrer Klienten berichten die Verantwortlichen der Arbeitsloseninitiativen im gesamten Bistum Aachen. Mit der Corona-Krise hat sich die Einsamkeit noch verschärft, weil viele Einrichtungen vorübergehend schließen mussten. Neben fehlenden sozialen Kontakten gab es noch einen anderen Effekt: Viele Einnahmen wie öffentliche Zuschüsse, Zuwendungen aus Bußgeldern und Erlöse aus Geschäftstätigkeiten brachen den Organisationen weg. Das gilt auch für Spenden. Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen halten viele Menschen  ihr Geld zusammen, weil sie wegen Kurzarbeit oder Jobverlust nicht wissen, wie es bei ihnen selbst weiter geht. Zum anderen sind die Anliegen der Arbeitsloseninitiativen seit Ausbruch der Corona-Pandemie nicht mehr so präsent. Mit der Aktion „Radeln statt Resignieren“ soll sich Letzteres nun ändern.

Die Idee ist einfach: Zwei moderne Hometrainer gehen im Bistum auf die Reise. Wo sie aufgestellt werden, werden Politiker, lokale Persönlichkeiten, Betroffene und Passanten eingeladen, kräftig in die Pedale zu treten. Pro gefahrenem Kilometer kann gespendet werden. „Aber die Spende steht gar nicht im Vordergrund“, sagt Kristina Hamm, Geschäftsführerin Koordinationskreis kirchlicher Arbeitloseninitiativen. „Wir wollen mit dieser Öffentlichkeitskampagne Betroffenen zeigen, dass wir sie nicht alleine lassen.“ Zudem solle das Thema Arbeitslosigkeit und die damit zusammenhängenden Probleme wieder verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt werden.
Zum Auftakt der Kampagne beim Volksverein in Mönchengladbach zeigten die Kommunalpolitiker Boris Wolkowski  und Felix Heinrichs, wie fit sie auf dem Rad sind. Fünf Kilometer radelte der passionierte Radfahrer Wolkowski aus dem Stand auf das Tacho. Heinrichs kam auf drei Kilometer: Ein Riemenriss hatte den 30-Jährigen vorzeitig ausgebremst.

Warum die Arbeit der Arbeitsloseninitiativen so wichtig ist, bringt Manfred Körber auf den Punkt. „Arbeitslosigkeit macht einsam. Durch die Pandemie wird dies noch verstärkt. Kirchliche Arbeitlsosenprojekte im Bistum Aachen schaffen – trotz erschwerter Bedingungen – Begegnung, Bildung und Beschäftigung. So gelingt Gemeinschaft, die Einsamkeit besiegt“, sagt der Sprecher des Koordinationskreises kirchlicher Arbeitslosenarbeit. Mit seinem Kollegen Matthias Merbecks, Geschäftsführer des Volksvereins, hat er sich vor den Politikern ein kleines Einweihungsrennen auf den Home-trainern geliefert.

Diese Einsamkeit spüren vor allem Langzeitarbeitslose. Denn der chronische Geldmangel führt dazu, dass eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben in vielen Bereichen nicht möglich ist. Für einen spontanen Kinobesuch, Essen gehen mit Freunden oder einen Abend in der Kneipe reicht das Haushaltsbudget einfach nicht. Je länger jemand ohne Arbeitsstelle ist, umso kritischer wird die Situation. Denn die Chancen, auf dem Arbeitsmarkt eine Stelle zu finden, werden immer geringer.

Deshalb sind Qualifizierung, Beratung und Beschäftigung die drei wesentlichen Säulen der Arbeitsloseninitiativen. Sich mit dem Schicksal der Arbeitslosen abzufinden, kommt nicht in Frage. Lieber steigen die Verantwortlichen auf den Hometrainer, um zu radeln statt zu resignieren. Das schafft Öffentlichkeit und hilft den Betroffenen.